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Tokio (Die Coffee-Edition)

„Ist sie es?“ „Ist sie es nicht?“ Auf jeden Fall war sie sehr kühl zu mir, als ich meinen Lattest, eine Art Latte macchiato, bei ihr bestellte. Passt zur Gegend, dachte ich. Omotesando in Tokio ist eine Straße für Markennamen und Models. Eine sehr schöne Straße. Breite Fußwege mit Baumallee. Aber auch voller Touristen und ein wenig bemüht cool. Café Nr. 1 – Die coole Coffeebar Ich war im Lattest. So heißt das Café in einer Seitenstraße von Omotesando. Wahrscheinlich war ich einer von vielen Ausländern, die hier tagtäglich aufkreuzen. Komische Stimmung. Zu dieser Gruppe schien ich dann wohl auch zu gehören, obwohl ich das nicht wollte. Die Amerikaner hier waren mir fremd, es gab null Überschneidungspunkte. Aus japanischer Sicht verschmolz ich aber wahrscheinlich zu einer einheitlichen Masse. Ich war hier aus zweierlei Gründen: Meine Japanreise stand unter dem Motto, möglichst viele, richtig gute Cafés zu besuchen. Deshalb war ich hier. Hier bei Lattest war ich aber auch wegen Terrace House! Terrace House? Kennst du, oder? In der japanischen Realityshow, über die ich hier geschwärmt …

Der Weg zur Sonnengöttin

Die Probleme fingen schon viele Monate vor unserer Reise nach Japan an. Es war, als wir in Deutschland die Reise in der Reise planen wollten. Ich musste schließlich zugeben, dass meine Vorstellung, in Japan einfach spontan hier- und dorthin zu fahren, unrealistisch war. Nicht in der Neujahrszeit und auch nicht zu den Orten, zu denen wir wollten. Ich mag das Gefühl eigentlich nicht, jeden Schritt im Voraus festlegen zu müssen. Wer richtet sich bei der Reise nun an wen? Bin ich immer noch das handelnde Subjekt oder muss ich mich dem Plan unterwerfen? Ok, ich muss mich dem Plan unterwerfen!

Die Macht des Mangas

Falls du dich je gefragt haben solltest, wer den modernen Buchdruck erfunden hat, es war nicht Johannes Gutenberg! Zu dieser Erkenntnis musste ich während meines Koreanistikstudiums kommen. Ich habe nie danach gefragt und dennoch eine Antwort bekommen. Einige Koreaner, mit denen ich Sprachaustausch machte, belehrten mich gerne, dass in Korea bereits 1377, also fast acht Jahrzehnte vor Gutenberg, eine vergleichbare Druckkunst entstand. Dieser Vorsprung schien von Bedeutung zu sein. Vielleicht kennst du das auch. Im Umgang mit einer anderen Kultur spielen Selbstverständlichkeiten plötzlich keine Rolle mehr. Zumindest ist nicht immer klar, was selbstverständlich ist. Das kann man doof finden oder faszinierend. Neutral betrachtet ist es einfach eine Frage der Perspektive. Die unterschiedliche Wahrnehmung von Normalität ist auch nicht das eigentliche Problem. Es gibt etwas Anderes, etwas, das uns auf viel tieferer Ebene berührt und unsere persönlichen Grenzen in interkulturellen Begegnungen setzt: Das Gefühl von Identität. Und das hat erstaunlich viel mit Mangas zu tun.