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High School Programm – Mit GLS nach Japan

Mit GLS nach Japan. Einige Oberstufler pausieren die hiesige Schule, um für ein Jahr ins Ausland zu gehen, Land und Leute kennenzulernen. Viele gehen in die USA, manche nach Japan. Für mich sind diese „Japanverrückten“ ganz besonders. Sich für Japan zu entscheiden, zeugt von außerordentlichem Interesse und Engagement. Dahinter steckt mehr als nur eine Auszeit vom gewohnten deutschen Schulalltag. Bis zu zehn Monate leben sie meist in einer Gastfamilie und nehmen am Unterricht der japanischen High School teil. Davor habe ich Respekt, denn einerseits kann ich ihre Begeisterung und ihre Erwartungen verstehen, andererseits weiß ich, wie intensiv die Erfahrungen ganz bestimmt werden. Der Dauerbeschallung japanischer Kultur werden sie sich kaum entziehen können. Das ist nicht immer einfach. Ich versuche zu helfen.

Hamburg, Heimat, Hypnose

Etwas verunsichert warte ich auf meinen Burger. Ich kenne das System hier noch nicht richtig. Bezahlt habe ich ja schon, doch nun sitze ich in Reich- und vor allem Hörweite der Essensausgabe, um ja nichts zu verpassen. Wir sind nicht in Tokio oder Seoul. Wir sind in Hamburg und ich bin ein Hamburger… und ja, ich esse jetzt auch einen. So, jetzt ist er raus, der Witz, bei dem sich schon so viele Asiaten schier weggeschmissen haben vor Lachen. Mir ist aber gerade nicht zum Lachen, ich habe Hunger. Außerdem erwartet mich eine intensive Woche, auf die ich mich zwar freue, aber vor der ich auch ordentlich Respekt habe. Ich lebe nun schon seit sieben Jahren in Heidelberg und viel zu selten war ich inzwischen in meiner Heimatstadt, in der ich geboren, aufgewachsen und meinen Uni-Abschluss erworben habe. Was ist Heimat für dich?

Oshogatsu und andere Überraschungen

Von 2008 bis 2011 habe ich in dieser kleinen, aber dennoch in Japan recht bekannten Stadt namens Onomichi gelebt. In der Hiroshima-Präfektur gelegen, direkt an der wunderschönen Inlandsee, zieht sie regelmäßig Touristen, Künstler und Filmemacher an. Der Schiffsbau ist hier groß und Onomichi-Ramen das bekannteste Gericht. Außerdem spielt der neuste Teil der Videospielreihe „Yakuza 6“ teilweise in Onomichi. Das ist aber alles nur nebensächlich, denn in erster Linie wohnt die Familie meiner Frau hier.

Ein normaler Flug nach Japan?!

Die Anreise verlief angenehm glatt. Ausreichend Zeitpuffer eingeplant, sind meine Frau und ich entspannt in den Flieger gestiegen. Wieder ausgestiegen sind wir eher als schlechte Kopie unserer Selbst. Eine merkwürdige Transformation zum Zombie, die da irgendwo zwischen Russland und der Mongolei passiert sein muss. Einmal würde ich es gerne schaffen, fit aus dem Flieger zu steigen.

Die Macht des Mangas

Falls du dich je gefragt haben solltest, wer den modernen Buchdruck erfunden hat, es war nicht Johannes Gutenberg! Zu dieser Erkenntnis musste ich während meines Koreanistikstudiums kommen. Ich habe nie danach gefragt und dennoch eine Antwort bekommen. Einige Koreaner, mit denen ich Sprachaustausch machte, belehrten mich gerne, dass in Korea bereits 1377, also fast acht Jahrzehnte vor Gutenberg, eine vergleichbare Druckkunst entstand. Dieser Vorsprung schien von Bedeutung zu sein. Vielleicht kennst du das auch. Im Umgang mit einer anderen Kultur spielen Selbstverständlichkeiten plötzlich keine Rolle mehr. Zumindest ist nicht immer klar, was selbstverständlich ist. Das kann man doof finden oder faszinierend. Neutral betrachtet ist es einfach eine Frage der Perspektive. Die unterschiedliche Wahrnehmung von Normalität ist auch nicht das eigentliche Problem. Es gibt etwas Anderes, etwas, das uns auf viel tieferer Ebene berührt und unsere persönlichen Grenzen in interkulturellen Begegnungen setzt: Das Gefühl von Identität. Und das hat erstaunlich viel mit Mangas zu tun.

Einleitung – Training für die Fremde

Ist der Koffer schon gepackt? Wohin gehts? Nach Südkorea, nach Japan? Wie lange bleibst du? Wie tief soll die Beziehung mit Ostasien werden? Und … wie beginnst du damit überhaupt? Da stand ich nun in Südkorea! Und alles war anders! Hoch idealistisch, mit schwarzem Gürtel im Takwondo im Gepäck, aber auch ziemlich kopflos. Schockierend, wie wenig ich als Asienfan wirklich wusste. Ja, ich denke, ein guter Start schadet nie, bei jedem Unternehmen. Ob du anfängst, Japanisch zu lernen, oder ein Jahr in Südkorea verbringst: Je besser du startest, desto einfacher wird es. Und je bewusster die ersten Schritte begangen werden, desto klarer kannst du weiterschreiten. Achtsamkeit ist mein zentrales Thema. Eine achtsame, offene Begegnung mit Ostasien erscheint auch mehr als notwendig. Zwischen dem Osten und dem Westen liegt ein Ozean voll festgefahrener Vorstellungen. Zu oft wird aneinander vorbeigeredet. Kein Wunder! Mit all den Klischees und Erwartungen im Gepäck, wie können sich beide Seiten ernsthaft treffen? Viel mehr gilt es, die Wahrnehmung zu schulen und zuzuhören. Es gibt so viel zu entdecken, jenseits der Klischees. Dafür steht …