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Kulturschock: Gereizt in Asien?

Vielleicht kennst du das Gefühl.

Du lebst schon einige Monate in einer (deiner) fremden Kultur und, mal unterschwellig, mal überdeutlich erlebst du folgendes: Du bist von den Einheimischen und der Kultur latent genervt, ja du bist sogar regelrecht aggressiv. Wie kann das Land deiner Träume nur solche Gefühle in dir auslösen?

Ich kenne das sehr gut. Vor allem in der zweiten Hälfte meiner Studienaufenthalte in Südkorea hatte ich solche Phasen massiv. Was ich daraus gelernt habe, berichte ich hier.

 

EIN KULTURSCHOCK KANN VERSCHIEDENE GESICHTER HABEN

Natürlich gibt es die Sorte von Schock, die offensichtlich ist. Wenn am Straßenrand undefinierbare Insekten in einer Suppe schwimmen und vor sich hinbrutzeln. Allein der Gestank schockiert schon, geschweige denn die Vorstellung, von diesem Snack zu kosten. Andere Erfahrungen sind weniger vorhersehbar und entfalten ihre Wirkung schleichender.

Reaktionen auf die Fremde können sehr unterschiedlich ausfallen. Oft schenken wir ihnen wenig Beachtung. Aber spätestens wenn deine permanente Gereiztheit in Hass umschlägt, merkst du, dass etwas nicht stimmt. Das wiederum schockiert dich noch nachhaltiger als eklige Insektensnacks, denn eins ist damit klar, du kommst mit dem Land nicht klar. Du passt einfach hier nicht rein. Vielleicht war die ganze Entscheidung für die Kultur sogar ein riesiger Fehler.

Vorsicht! Bevor wir uns nun komplett selbst in Frage stellen, lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten und erst einmal zu verschnaufen.

 

ABWEHRREAKTIONEN SIND NORMAL

Ich halte diese Reaktionen für ziemlich normal und es hilft ungemein, sie in einem größeren Zusammenhang zu sehen, anstatt sie rein persönlich zu nehmen. Aggressive Abwehrreaktionen sind auch Spielarten des Kulturschocks. So vieles, was für dich Normalität bedeutet, wird in Frage gestellt. Kein Wunder, dass da ein Teil von dir rebelliert, während ein anderer dein Land immer noch liebt.

Das eigentlich Schockierende ist oft auch nicht die Gereiztheit an sich, sondern die Anlässe, die doch so banal und unwichtig sein müssten, und trotzdem wütend machen: Die immer gleiche Art wie sich die Leute kleiden, wie sie sich in bestimmten Situationen auf vorhersagbare Weise verhalten, ja sogar einfach nur wie sie gehen kann schon auf die Nerven gehen.

Für mich ist es wichtig, an dieser Stelle nicht stehen zu bleiben. Die Einheimischen dafür zu beschuldigen, dass sie sich nicht so verhalten wie man es gerne hätte, mag unfair sein. Leider richtet die allzu strenge Selbstkritik nicht selten einen viel größeren Schaden an.

Ich bin davon überzeugt, dass das Leben in der Fremde, genauso wie jeder andere Lernprozess, verdaut werden muss. Gönne dir deine individuelle Zeit hierfür. Nimm den Druck raus. Steh zu deinen Gefühlen und versuche nicht perfekt zu sein. Aber erkenne auch, dass die kulturellen Eigenschaften deines Ziellandes ihren Sinn haben.

Es kann außerdem helfen, wenn du dich auf die wenigen Individuen konzentrierst, die dir nahe stehen, mit denen du gerne Umgang hast. Viele haben das Gefühl, dass sie das ganze Land verstehen und mit ihm klar kommen müssen. Das ist ein bisschen viel auf einmal.

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