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High School Programm – Mit GLS nach Japan

Mit GLS nach Japan.

Einige Oberstufler pausieren die hiesige Schule, um für ein Jahr ins Ausland zu gehen, Land und Leute kennenzulernen. Viele gehen in die USA, manche nach Japan.

Für mich sind diese „Japanverrückten“ ganz besonders.

Sich für Japan zu entscheiden, zeugt von außerordentlichem Interesse und Engagement. Dahinter steckt mehr als nur eine Auszeit vom gewohnten deutschen Schulalltag.

Bis zu zehn Monate leben sie meist in einer Gastfamilie und nehmen am Unterricht der japanischen High School teil. Davor habe ich Respekt, denn einerseits kann ich ihre Begeisterung und ihre Erwartungen verstehen, andererseits weiß ich, wie intensiv die Erfahrungen ganz bestimmt werden. Der Dauerbeschallung japanischer Kultur werden sie sich kaum entziehen können. Das ist nicht immer einfach. Ich versuche zu helfen.

Der Ostersprachkurs von GLS

Jetzt ist es bald wieder soweit.

Ostern naht und das bedeutet fünf Tage Sprachkurse bei GLS in Berlin. Intensivtraining, vor allem für die, die mit dem High School Programm der Berliner Sprachschule ins Ausland gehen.

Ich bin auch dabei!

Neben dem Sprachkurs gibt es für die „Japaner“ ein Extra-Training. Das mache ich.

Ich freue mich schon darauf. Nun zum vierten Mal leite ich an zwei Tagen das interkulturelle Training. Wir werden etliche Themen besprechen, die typisch für die japanische Kultur sind. Wir werden uns Beispiele angucken und Übungen machen und uns selbst dabei reflektieren. Mein Ziel ist es, abwechslungsreich, mit unterschiedlichen Medien zu arbeiten und dabei unterschiedliche Blickwinkel einzunehmen.

Es wird also ein bunter Strauß interkultureller Erfahrungen, die viel Spaß machen. Es wird aber auch intensiv, denn auch die zahlreichen Herausforderungen eines Japanaufenthalts werden nicht vermieden. Zum Glück gibt es Lösungen!

So ein Training hätte ich auch gebraucht, als ich das erste Mal sechs Monate in Südkorea verbracht habe. Dann hätte ich gewusst, dass es ganz normal ist, sich in der ersten Eingewöhnungszeit leicht überfordert zu fühlen. Gelinde gesagt, war ich mehrere Wochen wie unter Drogen. Geflasht von der Fremde wollte ich mich am liebsten ständig kneifen. Ja, du bist jetzt wirklich mitten in Südkorea! Ein Deutscher in Seoul! Alles fühlte sich unwirklich an.

Das Training hätte mir auch verraten können, wie wichtig das konfuzianisch geprägte Beziehungssystem in Korea ist. Was es bedeutet, älter oder jünger als der Gesprächspartner zu sein und welche Konsequenzen dies nach sich zieht. Für mich war es ein regelrechter Schock, als mir diese für mich so neue Umgangsform um die Ohren gehauen wurde. Ich war nicht vorbereitet und wirklich gekonnt verarbeitet hatte ich es dann auch nicht.

Taekwondo und die volle Dosis Fremdheit

Meine Taekwondo-Karriere war bereits zehn Jahre alt und endlich erhielt ich die Chance im Mutterland dieser Kampfkunst, an der Quelle trainieren zu können. Ein Traum sollte in Erfüllung gehen. Schiss hatte ich trotzdem. Ich war alleine und mein Koreanisch kaum vorhanden, als ich zaghaft beim Taekwondo-Club der Universität nachfragte. Doch der Anfang war ein Klacks! Viel einfacher als erwartet gehörte ich zu der großen Gruppe Jungs und Mädels, die ich schon vorher kreuz und quer über den Campus joggen gesehen hatte.

Als einziger Ausländer sollte ich von nun an mitjoggen.

Doch gleich zu Beginn passierte es! Mein erster von zahlreichen Fauxpas.

Wir saßen im Taekwondo-Club eigenen Raum als plötzlich die Tür aufging und ein Student mit wichtigtuerischer, zugleich gönnerhafter Miene eintrat. Alle sprangen auf und verbeugten sich, ich nicht.

Warum eigentlich nicht?

Warum habe ich es nicht meinen Kommilitonen gleich getan? Wie festgefroren saß ich da und beobachtete bloß alles. So fremd erschien ich mir selbst unter all den Koreanern, so ungewohnt war ihre Verhaltenswelt. Wer war dieser Student, dem alle so viel Respekt entgegenbrachten? Was hatte er mit mir zu tun? Ich wusste es nicht.

Wenig später wurde ich von eben diesem zur Seite genommen und zur Rede gestellt. Er rügte mich dafür, wie schlecht und unhöflich ich mich benommen hatte. Mir kam er im Gegenzug nur arrogant und unsympathisch vor. Er war älter als die anderen, ihr Seonbae oder Senpai, wie es auf Japanisch heißt. Doch hatte er nur deshalb bereits so viel Respekt verdient? Klar hatte ich mich falsch verhalten, aber musste er mich deshalb so kritisieren, wo ich doch der Neuling war? Ich nahm das sehr persönlich und eine Versöhnung mit dem ungewohnten Hierarchiesystem fand nicht statt.

Die Gefühle mit ins Boot holen

Ein interkulturelles Training hätte mich darauf vorbereiten können. Man hätte mir das Gesellschaftssystem in Südkorea erklären können und mir die korrekten Umgangsformen beibringen können. Das hätte mir geholfen. Zumindest am Anfang!

Doch ein interkulturelles Training darf gerne noch mehr leisten. Wie fühlen sich unterschiedliche Tendenzen im Sozialsystem der Kulturen an? Das ist eine spannende Frage, die man auch im Training ansprechen sollte. Wie gehst du emotional mit kulturellen Unterschieden um? Japan hält diesbezüglich die eine oder andere Überraschung parat, auf die uns die deutsche Sozialisation nicht vorbereitet hat. Gut also, wenn wir das im Training machen.

Sehr gerne sehen wir uns dann.

 

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