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Ein normaler Flug nach Japan?!

Die Anreise verlief angenehm glatt. Ausreichend Zeitpuffer eingeplant, sind meine Frau und ich entspannt in den Flieger gestiegen. Wieder ausgestiegen sind wir eher als schlechte Kopie unserer Selbst. Eine merkwürdige Transformation zum Zombie, die da irgendwo zwischen Russland und der Mongolei passiert sein muss. Einmal würde ich es gerne schaffen, fit aus dem Flieger zu steigen.

Eine Sache auf dieser ansonsten reibungslosen Reise war dann aber doch bemerkenswert: Die sprichwörtliche Höflichkeit der japanischen Stewardessen konnte mich zwar nicht mehr überraschen, mein eigener Umgang mit ihr aber umso mehr. Mit einer deutschen Flugbegleiterin wäre alles so einfach gewesen, aber diese geballte Ladung Höflichkeit war einfach zu viel für mich. Ich musste mich mehrmals dabei ertappen, wie ich mich viel zu übertrieben für Dosenbier und Knabberzeug bedankte, begleitet von unnötigen Bescheidenheitsgesten, die ich sonst auch nie mache. Nichts gegen erwiderte Freundlichkeit. Wir spiegeln uns in unserer Kommunikation. Ist es nicht so? Wir passen uns den Gesprächspartnern an. Aber mit der gleich hohen Freundlichkeitsfrequenz, übrigens voll automatisch, zu reagieren, schien weder angemessen noch angenehm.

Irgendetwas verlief hier nicht geschmeidig. Es war zwar nur unterschwellig, aber ein komischer Beigeschmack blieb trotzdem. Nein, spiegeln war hier einfach nicht angebracht. Eine gemeinsame Ebene nicht erwünscht. Japaner sind sich als Kunde ihrer Rolle bewusst und benehmen sich dementsprechend. Selbstbewusst empfangen sie eine Serviceleistung und verhalten sich in der Regel distanziert. Was auf mich oft kalt gewirkt hat, macht im speziellen Verhältnis von Kunde und Dienstleister Sinn. Wenn man sich als Kunde gleich oder sogar kleiner macht, verdreht man die Ordnung. Wie anders soll sich der Dienstleister nun verhalten, als sich erneut dem Kunden unterzuordnen? Will man nun keine Kaskade gegenseitiger Unterbietung provozieren, passt man sich lieber der in Japan „normalen“ Verhaltensweise an und reduziert seinen Erwiderungsdrang.

DIE EINREISE

Ich liebe diese ersten Momente in einem anderen Land. So eine Einreise ist spannend, wie als ob man in eine andere Atmosphäre eintaucht, als ob das Leben dann auf einer anderen Ebene läuft. Vor allem die Gerüche finde ich immer sehr ausgeprägt und typisch. Das ist der Anfang der Akklimatisierung, die in meinem Fall ruhig mal ein paar Tage dauern kann. Auch diesmal hätte ich mir gerne mehr Zeit und  Ruhe dafür genommen. Einfach ankommen und nichts tun… allein mein begrenzter Aufenthalt bei meiner japanischen Familie hatte etwas dagegen.

Gleichzeitig habe ich mich erstaunlich normal gefühlt, als ich in Tokyo für meinen Flug nach Hiroshima umsteigen musste und plötzlich nur noch unter Japanern war. Das habe ich vorher noch nicht so erlebt. Mit jeder neuen Reise in den Osten scheint etwas von der Exotik, die mich früher so faszinierte, verloren zu gehen, wodurch im Gegensatz das Gefühl von Verbundenheit steigt. Ich mag dieses neue Gefühl. Wenn man eine Wand immer wieder streicht, damit die Farbe dichter und dicker wird, so ähnlich ist das, je öfter ich hier nach Japan komme.

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