Achtsamkeit, Lernen
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Sommer in Asien? Bleib trotzdem cool!

Diese Hitze!

Der Sommer 2018 war so heiß und trocken, dass ein riesiger Baum direkt vor meiner Nase plötzlich umkippte.

Stell dir das mal vor!

Ehrlich, es war so, als ob die Realität einen Riss bekäme, als ob die Wahrnehmung mir einen Streich spielen würde. Es hat schon etwas Epochales, wenn ein Baumstamm so von alleine auseinander bricht und tot auf die Erde kracht.

Nun ist er vorbei, der Sommer 2018. Plötzlich wurde es kälter und schon hustet und schnieft es um mich herum. Kaum vorstellbar, aber vor wenigen Wochen hatten wir einen Sommer, der den Namen auch verdiente.

Fast täglich stieg die Temperatur auf 36 Grad und darüber hinaus. Die Sonne war aggressiv wie ein Feind. Jeder Fußweg wurde zur Qual und ich übertreibe hier nicht.

Meine japanische Frau wurde früher während einer der raren Sommer noch mit dummen Sprüchen versehen, als sie mit einem feinen Sonnenschirm herumlief wie eine Dame aus dem vorletzten Jahrhundert. Dieser Sommer war so extrem, dass sich die Mode diesbezüglich wieder ändern könnte. Wir brauchen sie dringend wieder, die Sonnenschirme!!

Ja, es war schon hart. Aber mal ehrlich! So hart dann doch wieder nicht!

Der Sommer in Ostasien ist ein anderes Animal. Alle, die den Sommer in Japan oder Südkorea noch nicht kennen, seien nun ausdrücklich gewarnt. Er ist viel viel schlimmer!

Die Sonne knallt auf deinen Kopf, während die Luftfeuchtigkeit 70-80% beträgt. Gefühlt scheint es keine Pause und kein Ende zu geben. Jeder Tag und jede Nacht diese schwüle Hitze. Glaub mir, der deutsche Sommer ist erträglich!

Wohl stundenlang könnte ich mich in klebrig heißen Erinnerungen verlieren und jeder mit derselben Erfahrung  würde seine eigenen Anekdoten dazu beitragen können. Doch das ist nicht das Thema.

Vielmehr geht es darum, wie mir dieser asiatische Sommer zweimal das Genick gebrochen hat und darum, wie du es besser machen kannst.

Fehler Nr. 1: Den Sommer unterschätzen

Auch in Japan war der Sommer dieses Jahr außergewöhnlich.

Er überstieg den üblichen Pegel und sogar in den deutschen Nachrichten wurde über die japanischen Hitzetoten berichtet.

Ein Aspekt daran begann mich zu interessieren. Es starben nämlich vorwiegend alte Menschen und kleine Kinder. Nun, das ist nachvollziehbar. Für den schwachen Körper ist die Hitze einfach zu viel. Doch der Hauptgrund bei vielen Alten war, dass sie die Temperaturen unterschätzten. Sie gingen aufs Feld und arbeiteten, obwohl es schlicht und einfach zu heiß dafür war. Warum bloß??

Eigentlich gibt der Körper deutliche Signale. Wer auf diese Signale hört, kann einschätzen, wie hoch die Belastung von außen ist.

Bei älteren Menschen scheint dieses körpereigene Warnsystem aber schlechter zu funktionieren. Die Sensibilität ist heruntergeschraubt und der Kopf will sich durchsetzen. Vielleicht ist auch ein bisschen Trotz dabei: Ich lasse mich nicht aufhalten, auch nicht vom Sommer!!

Aber sind die Jungen diesbezüglich so viel besser als die Alten? Wie gut hören wir generell auf unseren Körper?

Ich zumindest war konsequent taub.

Fehler Nr. 2: Aus Fehler Nr. 1 nicht lernen

Das erste Mal war ich unvorbereitet, das zweite Mal nicht viel klüger.

Noch nie zuvor hatte ich so einen qualvollen Sommer erlebt, als ich im Jahr 2000 als Austauschstudent in Seoul war. Von Januar bis Anfang Juni war ja noch alles ok. Ich durchlief einfach die typischen Phasen der Kulturschockkurve, freilich  ohne mir dessen bewusst zu sein. Von Euphorie bis Frust und sogar Ablehnung war alles drin. Doch dann kam die Regenzeit und dann diese Hitze.

Ich war kurz vor dem Ende meines Aufenthalts, aber schon längst am Ende meiner Kräfte. Die Erschöpfung war aber nicht nur körperlich, auch geistig machte sie sich breit. Doch was hatte ich eigentlich zuvor erreicht? Ich war mit so hehren Zielen nach Korea aufgebrochen, doch wie sah es nun mit den Ergebnissen aus?

Als ich zwei Jahre später wieder für sechs Monate nach Seoul kam, lief vieles viel besser. Ich hatte also gelernt. Nur das Ende war schlimmer als schlimm.

Der Sommer und der Frust packten mich wie bei meinem ersten Besuch. Doch diesmal landete ich vollkommen erschöpft im Krankenhaus. Ergebnis: 10 Kilo abgenommen und moralisch am Boden. Außerdem legten die koreanischen Eltern meiner damaligen Freundin die horrenden Krankenhauskosten aus, wofür ich ihnen ewig dankbar bin.

Es war wirklich kein schönes Ende.

Doch das Ende ist der Anfang von etwas Neuem. Ein guter Start einer Unternehmung, sei es ein Auslandsaufenthalt oder ein Sprachkurs, ist so wichtig, weil diese ersten Schritte den ganzen Verlauf der Reise bestimmen.

Doch auch der Abschluss ist wichtig. Wie kommst du aus einer Erfahrung heraus? Gestärkt, zuversichtlich und motiviert? Oder so wie ich damals, demoralisiert und krank?

Dabei muss Anfang und Ende nicht mal perfekt sein. Der bewusste Umgang mit einer scheinbaren Niederlage kann für Klarheit sorgen und Fehler weisen darauf hin, dass etwas fehlt. Das brauchst du nicht bewerten. Das kann dir helfen.

Besser Nr. 1: Einen kühlen Kopf bewahren

Wenn ich meinem jüngeren Ich einen Rat geben könnte, würde ich ihm sagen: Bleib locker! Du hast genug geleistet!

Falls dich der asiatische Sommer auslaugt, du mit deinen Fortschritten nicht zufrieden bist und sich Frust breit macht, dann rate ich dir das Gleiche.

Die Hitze ist nicht nur körperlich höchst anstrengend, auch die geistigen Fähigkeiten sinken deutlich.* Das ist ein Fakt und eigentlich wissen und spüren wir das alle. Keine neue Info! Zu oft aber machen wir weiter wie zuvor.  Der innere Antreiber schwingt die Peitsche und ist maßlos enttäuscht, wenn Resultate ausbleiben.

 

Besser Nr. 2: Klare Ziele für den Sommer

Aber alles hat seine Zeit.

Wer z.B. im Januar mit dem Asienaufenthalt startet und Sprachkurse besucht, hat gut vier bis fünf Monate und sich eine gute Substanz aufzubauen. Im Sommer aber kannst du deine Strategie wechseln, dich vielleicht bewusst auf eine andere Form des Lernens ausrichten. Es muss nicht immer Vokabel pauken sein. Kleine Reisen, neue Dinge kennenlernen, im Café abhängen… Solange die Entscheidung bewusst ist, gibt es keine Zeitverschwendung.

Wer allerdings, so wie ich damals, mit seinen sprachlichen Fortschritten hadert, dem empfehle ich einen klar abgesteckten Lernplan. Die Ziele sollen den sommerlichen Strapazen angepasst sein und die Ergebnisse klar erkenn- und kontrollierbar.

Ein Lerncoach, der mit dir zusammen deine Ziele absteckt und die Resultate später kontrolliert, ist hierbei eine riesige Hilfe. So erreichst du Klarheit, selbst in der Gluthitze des asiatischen Sommers.

 

Spiegel-Artikel über Hitze und Denken

*Sehr hohe Temperaturen haben einen direkten Einfluss auf Körper und Geist.

Wir Menschen sind keine wechselwarmen Lebewesen. Unsere Anpassungsfähigkeiten an Außentemperaturen sind also sehr begrenzt und wir brauchen hier Stabilität, um funktionieren zu können. Der Körper versucht der Hitze entgegenzuwirken und das kostet Kraft.

Die Gefäße weiten sich und der Blutdruck fällt. Es kommt nicht selten zu Versorgungsproblemen. Zu wenig Blut im Kopf, z.B. wenn wir stehen, verursacht nicht nur Konzentrationsschwäche, dir kann auch schwindelig werden, bis hin zur Bewusstlosigkeit. Denkleistungen werden eindeutig verzögert.

Dafür gibt es offizielle Studien, obwohl diese nur Beweisen, was wir sowieso am eigenen Leib bemerken. Es sind eben nicht nur die sogenannten Risikogruppen, die Alten und Kinder, die beeinträchtigt werden und aufpassen müssen.

 

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