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Tokio (Die Coffee-Edition)

„Ist sie es?“

„Ist sie es nicht?“

Auf jeden Fall war sie sehr kühl zu mir, als ich meinen Lattest, eine Art Latte macchiato, bei ihr bestellte. Passt zur Gegend, dachte ich. Omotesando in Tokio ist eine Straße für Markennamen und Models. Eine sehr schöne Straße. Breite Fußwege mit Baumallee. Aber auch voller Touristen und ein wenig bemüht cool.

Café Nr. 1 – Die coole Coffeebar

Ich war im Lattest. So heißt das Café in einer Seitenstraße von Omotesando. Wahrscheinlich war ich einer von vielen Ausländern, die hier tagtäglich aufkreuzen. Komische Stimmung. Zu dieser Gruppe schien ich dann wohl auch zu gehören, obwohl ich das nicht wollte. Die Amerikaner hier waren mir fremd, es gab null Überschneidungspunkte. Aus japanischer Sicht verschmolz ich aber wahrscheinlich zu einer einheitlichen Masse.

Ich war hier aus zweierlei Gründen: Meine Japanreise stand unter dem Motto, möglichst viele, richtig gute Cafés zu besuchen. Deshalb war ich hier. Hier bei Lattest war ich aber auch wegen Terrace House!

Terrace House? Kennst du, oder?

In der japanischen Realityshow, über die ich hier geschwärmt habe, gab es ja diesen „Traum-Polizei-Vorfall“. Eine Teilnehmerin hatte den Spitznamen „Barista“.

Wo hat sie gearbeitet?

Na, im Lattest natürlich! Deshalb war ich ja auch hier!

„Und ist sie das nicht wirklich?“, dachte ich, als ich sie so aus der Nähe zu Gesicht bekam.

„Ist sie nicht die Barista?“

Ganz sicher konnte ich es nicht sagen. Wenn ja, dann hatte sie ihren Style total verändert. Haare schwarz und kürzer mit Pony. Keine komische Wollmütze drauf. Sie sah total anders aus, als bei Terrace House.

Wäre da nicht diese Stimme gewesen!

Ich habe es ja nicht so mit Namen, aber Stimmen erkenne ich sofort wieder.

Später, im APA-Hotel Nihonbashi, prüfte ich die entsprechende Folge Terrace House und alle Zweifel waren verflogen. Sie muss es gewesen sein, die Stimme, ihre ganze Art.

Nur war sie leider, wie gesagt, cool wie Eiskaffee.

Aber was hatte ich erwartet? Dass sie mich telepathisch als Fan erkennt? Dass ich der einzige Gaijin bin, der aus der Masse heraussticht? Dass ich den Mut gehabt hätte, sie geradeheraus anzusprechen? Mein Gott: Wie hieß sie überhaupt noch mal?

Mist! Das war von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Der Kaffee war aber gut.

Zuerst trank ich den Lattest, dann einen Cappuccino.

Die Espresso-Bar wurde 2012 angeblich mit dem Ziel eröffnet, weibliche Baristas zu fördern und… sehr guten Kaffee zu machen. Das hat auch alles funktioniert, nur war ich trotzdem etwas enttäuscht. Nicht nur wegen der Barista, sondern weil ich hier  in Japan nach etwas Anderem auf der Suche war.

In Heidelberg, wo ich wohne, gibt es den Coffee Nerd. Das ist kein normales Café. Die Leute hier geben wirklich alles: Ständig wechselndes Angebot an Bohnen, akribische Experimente mit Wassertemperaturen, sogar die Jahreszeit hat einen Einfluss, der berücksichtigt werden muss. Natürlich sind die Nerds auch cool, aber auf eine bodenständige Art. So etwas suchte ich hier in Japan. Bei Lattest stimmten die Zutaten, doch irgendwas fehlte. Ich musste also weitersuchen.

Falls dich Lattest interessiert, hier geht es zur Webseite: Lattest

Café Nr. 2 – Der japanische Coffee Nerd

Wenn man das 4/4 Season Coffee in Shinjuku betritt, steht die Röstmaschine gleich demonstrativ am Eingang.

Eine klare Ansage also, die besagt: Wir kümmern uns nicht nur um den Milchschaum!

Tatsächlich hat dieses Café´etwas Nerdhaftes an sich. Sehr freundlich, sehr entspannt und alles vom Feinsten. Und dann wird der Laptop rausgeholt und an die chromfunkelnde Röstmaschine angeschlossen. Diagramme leuchten auf dem Bildschirm auf. Zwischen Säcken und Eimern voller Kaffeebohnen steht eine Mitarbeiterin und wiegt gewissenhaften die perfekte Mischung für den perfekten Kaffee.

Das Café ist proppenvoll und nur mit Mühe finden wir einen Platz, zwei deutsche Jungs eingepfercht zwischen japanischen Mädchengruppen. Nicht, dass wir nicht schon genug auffallen würden. Aus Mangel an Sitzplätzen wird ein Extrahocker für mich organisiert, der extrahoch ist. Nun throne ich mit meinen 1,90 m gewaltig über der Menge und merke, wie die Mädchengruppen zu kichern anfangen.

Zuerst bestelle ich einen Kaffee Latte, Björn einen Cappuccino. Wir können keinen Unterschied feststellen, nur die Größe ist anders. Egal, denn gut ist der Kaffee allemal.

Klingt ein bisschen profan: Hauptsache, der Kaffee ist gut und man könnte meinen, dass die Mottoreise „Coole Cafés in Japan“ nicht besonders kreativ sei. Vor allem im Land des Tees. Kaffee ist Kaffee, ob ich ihn in Heidelberg oder Tokio trinke, der Unterschied scheint marginal, oder?

Für mich ist der Unterschied aber mindestens genauso groß wie die Distanz zwischen Deutschland und Japan selbst. Das liegt nicht am Kaffee, das muss ich zugeben.

Während ich hier im 4/4 Season Coffee sitze, wird mir das wieder einmal bewusst. Neben dem eigentlichen Kaffeeangebot bietet die Erfahrung hier so viel mehr. Da sind die vielen Köstlichkeiten, die die Mädchengruppen um uns herum mit leuchtenden Augen fotografieren und natürlich auch essen. Da spürt man die Begeisterung und Liebe zum Detail, die Freundlichkeit der Baristas. Nicht zuletzt ist es aber die Erfahrung in Japan zu sein, unter Japanern zu sitzen.

Da ich aber gerade eher hoch über Japanern sitze, wechseln wir bei einer guten Gelegenheit den Platz und entspannen uns nun am Rande des Geschehens. Von hier aus ist die Sicht viel besser und wir gehen in die zweite Runde: Eiskalter Kaffee und Pudding!

Japan ist für so viele Sachen bekannt. Was viele nicht wissen, Japan ist auch das Land des Puddings. Im Gegensatz zu Björn ist der normale, den man bei jedem Kombini um die Ecke kaufen kann, noch ein Hochgenuss für mich. Ich habe mich noch lange nicht sattgegessen. Aber naja, Björn ist ein Feinschmecker. Er weiß, was gut ist und der Pudding hier ist natürlich eine andere Liga. Ein Pudding der Extraklasse!!!

Ich glaube… Nein! Ich bin mir sicher, dass ich angekommen bin. Ich habe mein Ziel erreicht!

Hier im 4/4 Season Coffee stimmt einfach alles, bis auf die geheimnisvolle Zutat, die man mit Worten so schwer erklären kann. Dieses Café ist das japanische Pendant zum Coffee Nerd in Heidelberg.

Die Webseite findest du hier.

Aber ich bin noch nicht fertig. Es gibt noch eine Café-Variante, die ich in Japan besonders liebe.

Das ist das:

Café Nr. 3 – Das stylische Café von nebenan

Mein nächstes Café auf meiner Kaffee-Reise ist klein, fein und hat eine Message:

I can do is be me whoever that is…

Das steht zumindest drinnen an der Tafel und ich denke, man versteht, was gemeint ist. Der Besitzer zieht wahrlich sein Ding durch, alleine.

Wir sind im Myth Café.

Ich liebe diese puppenhaus-ähnlichen Läden in Japan. Die Umgebung mag so verrottet und häßlich sein wie sie will und doch hat sich da jemand die Mühe gemacht, eine schlichte, wunderschöne Oase einzurichten.

Ich kenne das von kleinen Jazz-Bars, die es hier manchmal gibt und die ich in Deutschland so sehr vermisse. Ein Mann (meistens) konzentriert alle seine Kenntnisse und Fähigkeiten geschmackvoll auf einen kleinen Punkt. Er berät fachmännisch seine fünf/sechs Gäste, lässt den Whiskey fließen und den Schallplattenspieler laufen – eine murakamieske Erfahrung!

Im Myth Café ging es mir ähnlich. Barhocker reihen sich um den Tresen. Der Besitzer kann nicht anders und ist wie er ist, kümmert sich um jeden einzelnen Gast persönlich, ist angenehm sympathisch, unaufdringlich freundlich. Man kommt sofort ins Gespräch.

Es macht Spaß, hier zu sitzen. Es ist fast so, als ob man kurz stopp macht, um einen alten Freund zu  besuchen. Nur das dieser Freund eben viel Wert auf sein Interieur und speziell auf seinen großen Verstärker mit ebenso großen Boxen legt. Aus diesen tönt unerwartet leise aber klangvoll nette Musik. Der Service und der Kaffee sind selbstredend vom Feinsten.

Mit Sicherheit ist dieses kleine, stylische Café die persönlichste Erfahrung, die ich gemacht habe.  Gerade deshalb ist er ein guter Abschluss meiner Reise. Am Ende fällt mir ein Fazit schwer.

Welches Café hat mir am besten gefallen? Es kommt darauf an, was man haben will. Stylisch waren alle drei. Es ist wohl genau die gleiche Entscheidung, ob ich heute mehr Lust auf die volle Dröhnung Kaffeegenuss habe und einen Schwarzen pur bestelle, oder einen weichen Cappuccino wähle, oder gar einen Eiskaffee. Naja, einfach dem Gefühl des Tages folgen!

Bei Instagram gibt es mehr vom Myth.

Am Ende der Reise (Der Kaffeesatz)

Natürlich habe ich nicht nur drei Cafés besucht. Aber es geht um die Übersicht, um die Quintessenz meiner Reise.

Ich denke, meine Vorstellungen repräsentieren ganz gut, welche Typen es gibt. Vor allem von diesen ganz kleinen, eher privaten Cafés gibt es wirklich viele und ich bin mir sicher, dass die Besitzer mindestens ebenso freundlich sind wie der vom Myth. Alleine in meiner „Heimatstadt“ Onomochi bin ich an etlichen vorbeigelaufen.

Wie gesagt, der Kaffee mag nicht besser sein als irgendwo sonst in der Welt, der japanische Touch macht das Erlebnis aber einzigartig.

Apropos, hier gibt es noch ein Bonus-Tipp:

Fahr nach Onomichi. Dort gibt es eine große Lagerhalle, die umfunktioniert wurde. Sie heißt nun U2 und hier gibt es neben Kleidung- und Fahrradgeschäften auch eine Bar, Bäckerei, ein Hotel und… ein Café. Dort versorgt du dich. Ich empfehle den Eiskaffee Latte und eine Portion Sesam-Eis. Dann gehst du nach draußen uns setzt dich bequem direkt ans Meer, wo die großen Schiffe sind. Du riechst die Meeresluft und hast Urlaub.

Interkulturelles Training und… SMAP

Vorsicht! Ernstes Thema (siehe Bild)!

Was hat Kimura Takuya mit Yamato-Damashii zu tun?

Warum ist das Ende der berühmtesten japanischen Boy-Band SMAP auch für Gastschüler in Japan äußerst interessant?

Das alles, aber eigentlich viel mehr, war Inhalt des interkulturellen Trainings neulich in Berlin. Die Vorbereitung meinerseits ist nun abgeschlossen und in den nächsten Monaten werden sich 15 deutsche Schüler in Richtung Japan aufmachen. Da alle wichtigen Themen behandelt sind und der Finger auch auf unangenehme Stellen gelegt wurde, liegt es jetzt an ihnen, die verbleibende Zeit zu nutzen.

Ich hoffe sehr, dass mein Training bei den Teilnehmern nachhallt und die Sinne für die großartigen Lernmöglichkeiten dort drüben geschärft wurden. Denn eins ist klar: Tatsächlich in Japan zu leben, rückt alle in Deutschland gesammelten Vorstellungen in ein neues Licht. Aus einem Hobby wird eine reale Lebenserfahrung.  Weiterlesen

High School Programm – Mit GLS nach Japan

Mit GLS nach Japan.

Einige Oberstufler pausieren die hiesige Schule, um für ein Jahr ins Ausland zu gehen, Land und Leute kennenzulernen. Viele gehen in die USA, manche nach Japan.

Für mich sind diese „Japanverrückten“ ganz besonders.

Sich für Japan zu entscheiden, zeugt von außerordentlichem Interesse und Engagement. Dahinter steckt mehr als nur eine Auszeit vom gewohnten deutschen Schulalltag.

Bis zu zehn Monate leben sie meist in einer Gastfamilie und nehmen am Unterricht der japanischen High School teil. Davor habe ich Respekt, denn einerseits kann ich ihre Begeisterung und ihre Erwartungen verstehen, andererseits weiß ich, wie intensiv die Erfahrungen ganz bestimmt werden. Der Dauerbeschallung japanischer Kultur werden sie sich kaum entziehen können. Das ist nicht immer einfach. Ich versuche zu helfen. Weiterlesen

Hamburg, Heimat, Hypnose

Etwas verunsichert warte ich auf meinen Burger.

Ich kenne das System hier noch nicht richtig. Bezahlt habe ich ja schon, doch nun sitze ich in Reich- und vor allem Hörweite der Essensausgabe, um ja nichts zu verpassen.

Wir sind nicht in Tokio oder Seoul. Wir sind in Hamburg und ich bin ein Hamburger… und ja, ich esse jetzt auch einen. So, jetzt ist er raus, der Witz, bei dem sich schon so viele Asiaten schier weggeschmissen haben vor Lachen.

Mir ist aber gerade nicht zum Lachen, ich habe Hunger. Außerdem erwartet mich eine intensive Woche, auf die ich mich zwar freue, aber vor der ich auch ordentlich Respekt habe.

Ich lebe nun schon seit sieben Jahren in Heidelberg und viel zu selten war ich inzwischen in meiner Heimatstadt, in der ich geboren, aufgewachsen und meinen Uni-Abschluss erworben habe.

Was ist Heimat für dich? Weiterlesen

Reisen in Ostasien? Langsam bitte!

Achtsamkeit kann auf so viele Lebensbereiche angewendet werden.

Ich bin nicht immer achtsam. Manchmal will ich es auch nicht sein. Trotzdem: Seitdem ich mich mit dem Thema beschäftige, spezielle Übungen durchführe und stärker darauf achte, wie bewusst ich etwas mache, seitdem wächst der Wunsch, ganz im Hier und Jetzt zu sein.

Kaffeetrinken ist ein gutes Beispiel. Morgens, noch kein Wort gesprochen, aus dem Fenster gucken, die Aromen einatmen und schmecken. Der Morgen öffnet sich und die bewussten ersten Schlucke geben den Takt des Tages an.

Das ist so eines dieser kleinen, unspektakulären Rituale, die ich in meinem Leben als äußerst gelungen ansehe.

Auch das Reisen möchte ich achtsamer gestalten. Weiterlesen

Oshogatsu und andere Überraschungen

Von 2008 bis 2011 habe ich in dieser kleinen, aber dennoch in Japan recht bekannten Stadt namens Onomichi gelebt. In der Hiroshima-Präfektur gelegen, direkt an der wunderschönen Inlandsee, zieht sie regelmäßig Touristen, Künstler und Filmemacher an.

Der Schiffsbau ist hier groß und Onomichi-Ramen das bekannteste Gericht. Außerdem spielt der neuste Teil der Videospielreihe „Yakuza 6“ teilweise in Onomichi. Das ist aber alles nur nebensächlich, denn in erster Linie wohnt die Familie meiner Frau hier. Weiterlesen

Wie schwer ist Japanisch wirklich?

„Nicht reden, Suwo“, sagte er. „Heute abend wünschen denken.“ (John Blackthorne, S. 421)

 

Die gute Nachricht ist: Asiatische Sprachen sind gar nicht soo schwer.

Japanisch, Koreanisch, Chinesisch… kannst du lernen! Es geht. Es gibt genug wandelnde Vorbilder da draußen, die das bewiesen haben.

Ich, zum Beispiel, bin geradezu umzingelt von solchen Exemplaren.

In meinem Freundeskreis gibt es so viele Japanischkenner und -könner, dass ich schon überlegt habe, ihn zu wechseln. Ich brauche unbedingt mehr Freunde, die schlechter sind als ich!!

Heutzutage scheint es bei den jungen Leuten auch kaum noch Berührungsängste zu geben. Geradezu „respektlos“ schmeißen sie mit japanischen Begriffen um sich, texten sich sogar auf japanisch und wünschen sich morgens „Ohayou!“ und abends „Oyasumi!“ Und das, obwohl sie normale Schüler sind und noch nie in Japan waren. Der Austausch und die Informationsflut ist dank Internet enorm.

Sowas gab es bei uns früher nicht! Nicht bei uns!

Wir hatten noch Ehrfurcht. Unsere Quellen waren nicht das Internet oder Comics. Wir hatten andere Vorbilder.

John Blackthorne zum Beispiel. Und der hat sich noch so richtig quälen müssen. (Gleich mehr davon…^^)

Aber was nun? War die frühere Sichtweise nichts als ein furchtbares Missverständnis? Sind asiatische Sprachen also in Wirklichkeit ein Klacks?

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Fettnäpfchen? Tritt doch einfach mal rein!

Möchtest du gerne Tipps, um in Japan erfolgreich die schlimmsten Missgeschicke zu umschiffen? Ganz ehrlich: Ich weiß etwas Besseres!

Viele Teilnehmer meiner interkulturellen Trainings erwarten eine Art Gebrauchsanweisung: „Ich möchte wissen, wie ich in Japan Fettnäpfchen vermeiden kann.“, höre ich sehr oft. „Was darf ich machen, was nicht?“

Der Wunsch nach konkreten Verhaltensanweisungen ist groß, aber ich erfülle ihn in den meisten Fällen nur ungern. Nicht weil ich grundsätzlich gemein bin, sondern weil die Konzentration auf die „Dos and Don´ts“ Risiken birgt.

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